2003 Projektbericht: Mobiltelefone - Abfallvermeidung durch Sammlung und Weiterverwendung

Archivmeldung vom 23.06.2010.
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Projektvergabe: INITIATIVE Abfallvermeidung Wien, MA 48 Projektnehmer: Mobilkom Austria AG & Co KG in Kooperation mit TB HAUER

Motivation: Der Mobilfunkmarkt ist ein äußerst progressiver und innovativer Markt. Alleine in Wien sind etwa 1,5 Mio. Mobiltelefone im Einsatz. An Altgeräten fallen mehrere 100.000 Stück pro Jahr an.

Mit dem Projekt wurde eine Rücknahmelogistik aufgebaut, die eine Voraussetzung für die Weiterverwendung von ganzen Geräten oder Bauteilen und ordnungsgemäßen Verwertung der nicht mehr verwendbaren Geräte darstellt. Damit soll eine Abfallvermeidung durch Weiterverwendung von nicht mehr benutzten, aber noch betriebsbereiten Altgeräten erzielt werden.

Inhalt: Im Rahmen des gegenständlichen Projektes wurden die folgenden Bereiche bearbeitet • Erhebung, wo sich nicht mehr benutzte Geräte befinden bzw. wie diese entsorgt wurden/werden. • Erarbeitung einer Strategie für die Rücknahme nicht mehr benutzter Geräte, getrennt nach institutionellen Kunden (Großkunden) und privaten Kunden. • Grundlagen für die Bewerbung der Rücknahme der Geräte und Information der Kunden • Untersuchung des Zustandes zurückgenommener Geräte und Feststellen von Nutzungsmöglichkeiten (z.B. Weiterverwendung der Geräte bzw. von Bauteilen, Verwertung, Schadstoffentfrachtung, Entsorgung) • Beurteilung der Möglichkeiten nach wirtschaftlichen und ressourcenökonomischen Gesichtspunkten • Durchführen einer Piloterfassung • Strategie für die Verwendung von GSM-Geräten beim Technologieumstieg auf UMTS.

Beabsichtigte Ziele: Bereits eine Erfassung der Geräte getrennt vom Müll stellt eine Maßnahme zur Schadstoffentfrachtung und somit zur qualitativen Abfallvermeidung dar. Darüber hinaus wurde im Rahmen des Projektes angestrebt, eine ökologisch möglichst hochwertige Behandlung von Altgeräten zu realisieren. An erster Stelle stand dabei die Weiterverwendung der gesamten Geräte, in weiterer Folge eine mögliche Reparatur und die Verwendung von Bauteilen und als letzte Möglichkeit die Metallrückgewinnung bei einer ordnungsgemäßen Verwertung durch einen Entsorgungsbetrieb.

Methode der Bearbeitung: Ausgehend von einer IST-Analyse der derzeitigen Sammel- und Verwertungswege wurde eine möglichst ökologische und ökonomische Sammel-, Weiterverwendungs- und Verwertungsstrategie entwickelt und im Rahmen eines Pilotprojektes umgesetzt.

Daten: Die Daten über Menge, Alter und Verkaufszahlen der Mobiltelefone, sowie Daten über die derzeit aktiv benutzten Mobiltelefone, wurden aus den internen Aufzeichnungen von mobilkom austria erhoben. Daraus wurden die Berechnungen der derzeit bei den Kunden lagernden Altgeräte sowie der Berechnung der Alterstrukturen, sowohl der in Betrieb befindlichen als auch der gesammelten Geräte durchgeführt.

Sammelmengen vor der Pilotsammlung: In Wien wurden im Jahr 2002 durch die kommunale Sammlung bei den Problemstoffsammelzentren (PROSA) rd. 100 Stück pro Monat gesammelt. Die Sammelmenge in den A1-SHOPS in Wien betrug rd. 25 Stück pro Monat.

Derzeitiger Lagerbestand und zukünftiger Anfall an Altgeräten: Von 1997 bis 2002 sind in Wien rd. 1,2 Mio. nicht mehr verwendete Altgeräte angefallen. Bei gleich bleibenden Verkaufszahlen werden in Zukunft pro Jahr ca. 600.000 Altgeräte in Wien anfallen. Mobiltelefone stehen durchschnittlich 30 Monate in Verwendung.

Durchführung der Pilotsammlung: Die Sammelaktion wurde am 5. November mit der Abhaltung einer gemeinsamen Pressekonferenz der Stadt Wien und mobilkom austria gestartet und über 4 Monate, von November bis Ende Februar, durchgeführt. Dabei wurde ein Sammelsystem mit Rücksendekuverts realisiert (siehe Graphik). Öffentlichkeitsarbeit: Die gesamte Sammelaktion wurde durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit von mobilkom austria begleitet und unterstützt.

Die Auswertung dieser 4 Sammel-Monate brachte folgende Ergebnisse: Mengen und Qualität: Es wurde die Gesamtmenge von 2.598 Stück gesammelt. Die daraus ermittelte durchschnittliche monatliche Sammelmenge beträgt 650 Stück. Bei der Einteilung der gesammelten Geräte nach dem Alter wurde festgestellt, dass rund zwei Drittel (68%) jünger als vier Jahre sind.

Möglichkeiten der Weiterverwendung und Verwertung: Ziel war, eine möglichst hochwertige Nachnutzung der gesammelten Geräte zu realisieren. An erster Stelle stand dabei die Weiterverwendung. Im Rahmen des Projektes wurden zweidrittel der gesammelten Geräte wieder verwendet.

An zweiter Stelle folgt die Reparatur und Nutzung von Bauteilen. Diese Form der Nachnutzung konnte aus ökonomischen Gründen nicht realisiert werden. Allerdings wird durch den Einsatz von Leihgeräten den Kunden ein Anreiz zur Reparatur von defekten Geräten geboten.

An dritter Stelle steht die stoffliche Verwertung der Geräte mit der Rückgewinnung von wertvollen Rohstoffen. Diese Verwertungsform wurde für die nicht mehr verwendbaren Geräte durchgeführt. Schlussfolgerungen: Trotz intensiver Bewerbung konnten in Relation zu den Lagerbeständen keine relevanten Sammelmengen erzielt werden. Ein Grund dürfte in der Tatsache liegen, dass die alten Gerät als Reservegeräte dienen und gelagert werden.

Die Qualität der zurückgegebenen Geräte übertrifft alle Erwartungen. Der Anteil der weiterverwendbaren Geräte liegt bei 66%, erwartet wurden ca. 30 - 40%. Die Einsparung an Ressourcen durch die Weiterverwendung oder stoffliche Verwertung wäre bei entsprechenden Sammelmengen sehr hoch.

Es wurde ein nachhaltiges System aufgebaut, das eine Weiterverwendung ganzer Geräte ermöglicht und eine Verwertung nicht weiter verwendbarer Geräte sichert.

Die Ergebnisse haben mobilkom austria bewogen, das Projekt weiterzuführen und eine Ausweitung auf ganz Österreich vorzunehmen.

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2003 Projektbericht: Mobiltelefone - Abfallvermeidung durch Sammlung und Weiterverwendung