2003 Projektbericht: SoWie - Sozialer Wertstofftransfer im Einzelhandel

Archivmeldung vom 23.06.2010.
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In Wien galten 1999 etwa 164.000 Menschen als armutsgefährdet ( BMSG, 2002 ), über 5. 000 Menschen galten 2003 als obdachlos ( Kurier, 7.3.2003). Finanzielle Engpässe durch Arbeitslosigkeit, Scheidung, etc. treffen immer häufiger auch die Mittelschicht und können auch dort zu sozialer Bedürftigkeit führen. Von Armut besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen sind Langzeitarbeitslose, Alleinerzieher, kinderreiche Familien mit Alleinverdienern in den unteren Lohngruppen, Haushalte von teilweise oder ganz erwerbsunfähigen Behinderten, Migrantenhaushalte und allein lebende ältere Menschen (BMWA, 2001).

Auf der andren Seite werden Produkte, wie z.B. Lebensmittel, Hygieneartikel, Wäsche, Schuhe, etc. von Handel und Industrie als Abfall vernichtet, weil sie regulär nicht mehr verkaufen werden können. Darunter fallen u. a. Saisonware, Retouren, Lagerüberschüsse, Überproduktionen, Fehletikettierungen und Transportbeschädigungen. Die Produkte selbst sind zumeist einwandfrei und könnten verwendet werden, durch diene Entsorgung verursachen sie lediglich Kosten ohne Nutzen zu stiften, In anderen Ländern wurde diese Unausgewogenheit zwischen Mangel und Überfluss bereits vor einigen Jahren erkannt und es wurden Projekte ins Leben gerufen, welche die koordinierte Weitergabe von nicht mehr regulär verkaufbaren, jedoch brauchbaren Produkten an sozial Bedürftige zum Inhalt haben.

Zielsetzung des vorliegenden Projektes war eine Erhebung, ob in Wien überhaupt Bedarf an einer Weitergabe von brauchbaren Produkten besteht und mit welchen Mengen und welcher Art an Produkten gerechnet werden kann. Die erhobenen Menge sollten Grundlage für die Abschätzung des Abfallvermeidungspotentials im Sinne von Verhinderung der Abfallentstehung darstellen. Gleichzeitig sollten die Meinungen von möglichen Beteiligen (soziale Einrichtungen, Unternehmen, Behörde) eingeholt und bei Bedarf ein Konzept für einen sozialen Wertstofftransfer entwickelt werden. Ein weiteres Ziel war die Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Recherche von Informationen zu ähnlichen Projekten in aller Welt, die auch als Hilfestellung bei der Entwicklung eines Umsetzungskonzeptes für Wien dienten.

Die Erhebungen zu den anfallenden Mengen erfolgte durch schriftliche bzw. persönliche Kontaktaufnahme mit den Unternehmen selbst. Auswertungen von Unternehmensberichten zum Thema Abfall, Erhebungen bei Behörden, Müllsichtungen von Biotonnen und Restmüllbehältern sowie einen Testbetrieb bei einer Lebensmittelkette. Mit den ermittelten Daten wurde eine Abschätzung des möglichen Abfallvermeidungspotentials für den Großraum Wien durchgeführt. Der Schwerpunkt wurde sowohl bei der Datenerhebung über Anfall und Bedarf als auch bei der Erhebung der rechtlichen Rahmenebbedingungen auf die Ermittlung von Daten aus dem Bereicht Lebensmittel gelegt. Auf diesem Gebiet werden bisher aufgrund der schwierigeren Handhabung der Produkte bei Lagerung, Transport und Weitergabe noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Für die Erhebung von Informationen bezüglich sozialer Einrichtungen in Wien sowie im In – und Ausland wurden ebenso wie für die Beschreibung der rechtlichen Rahmenbedingungen Literaturrecherchen durchgeführt und diese Ergebnisse mit Informationen aus persönlichen Gespräche ergänzt.

Für die Erstellung des Konzepts wurden alle recherchierten Daten und Fakten zusammengefügt und daraus ein Umsetzungskonzept erstellt, welches sowohl bestehende Wiener Einrichtungen einbindet als auch neue Strukturen schafft. In einem halbtägigen Workshop wurde das Konzept mit Vertretern der relevanten Wiener Institutionen und Behörden gemeinsam diskutiert.

Für eine exakte Erhebung der im Einzelhandel anfallenden Menge an für die Weitergabe an sozial Bedürftige geeigneten Produkten und des resultierenden Abfallvermeidungspotentials ist die Datenlage derzeit nicht ausreichend. Sofern bei Unternehmen überhaupt Aufzeichnungen vorliegen, ist es meist nicht möglich jene Produkte zu identifizieren, die bei der Entsorgungen noch brauchbar gewesen wäre. Genauere Zahlen liegen meist nur bei Unternehmen vor, die bereits Produkte an sozial bedürftige Menschen im In – und Ausland spenden. Berücksichtigt man die im Rahmen dieser Untersuchung recherchierten sicher anfallenden Mengen, so werden derzeit in Wien jährlich zumindest 5.000 t an brauchbaren Lebensmittel aus dem Handel entsorgt. Die Zahl berücksichtigt neben produktionsspezifischen Lebensmittel-diskontern. Nicht berücksichtigt wurden für diese Berechnung z. B. geeignete Produkte aus rund 600 weiteren Lebensmittel-einzehlhandelsfilialen in Wien. Hinzu kommen Körperpflegemittel, Schuhe, Bekleidung und Medikamente.

Aufgrund der vielseitigen Angebote der sozialen Einrichtungen in Wien und dem Mangel an verwendbaren Aufzeichnungen über die Anzahl der versorgten Personen oder ausgegebenen Produkte, konnte auch hier eine Istzustandserhebung nur verbal beschreibend erfolgen. Lediglich für die Wiener Caritas konnte für das Jahr 2002 die Anzahl von insgesamt 240.000 in der Gruft und den Caritasheimen ausgegebenen Mahlzeiten ermittelt werden. Die vorhandene Datenlage reicht nicht aus, um den Bedarf an zusätzlichen Produkten genau abschätzen zu können. Insgesamt wurde aber als Resümee aus den Recherchen, aus persönlichen Gespräch und einem zweimonatigem Testbetrieb erkannt, dass soziale Einrichtungen gerne weitere Sachspenden (vor allem Obst und Gemüse) nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten und nach Rücksprache annehmen. Nachdem sowohl die Nachfrage als auch der Anfall an für einen sozialen Wertstofftransfer geeigneten Produkten eindeutig belegt werden konnte, konnte auch die rechtliche Situation vor allem bezüglich der Weitergabe von Lebensmitteln positiv geklärt werden.

Die Einrichtung eines Netzwerkes zur Koordination der Weitergabe von brauchbaren Produkten an sozial Bedürftige wurde von allen Seiten (Unternehmen und soziale Einrichtungen) willkommen geheißen. Im Rahmen des vorliegenden Projektes wurde deshalb ein konkretes Umsetzungskonzept erstellt, welches die Sammlung, den Transport, die Verteilung und die Weitergabe von brauchbaren Produkten an sozial Bedürftige in Wien ermöglicht. Es bezieht sowohl die Unterschiede bei den bestehenden sozialen Einrichtungen als auch die verschiedenen Bedürfnisse von Bedürftigen ein.

Die von den Unternehmen kostenlos zur Verfügung gestellten brauchbaren Produkte, werden vom der SoWie Logistik übernommen und je nach Bedarf gelagert oder gleich verteilt. Abnehmer sind die bestehenden sozialen Einrichtungen sowie, um die Abnahme möglichst vieler Produkte zu gewährleisten und alle in Frage kommenden Zielgruppen optimal bedienen zu können, neu zu gründende Einrichtungen des SoWie Netzwerkes.

Der soziale Supermarkt soll die gespendeten Produkte zu sehr günstigen Preisen für sozial Bedürftige bereithalten, welche somit selbst entscheiden können, welche Produkte sie kaufen wollen. Damit soll ein Beitrag zur finanziellen Entlastung und gleichzeitig die Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstverantwortung geleistet werden. Dem Supermarkt angeschlossen ist ein Cafe, welches zu den Hauptessenszeiten Speisen anbieten und hauptsächlich als Kommunikations – und Informationsstelle fungiert. Größe Mengen an leicht verderblichen Lebensmitteln, die nicht sofort bei den sozialen Einrichtungen oder dem Supermarkt untergebracht werden können, werden im Cafe einer Haltbarmachung unterzogen. Im Anschluss können diese Produkte an die sozialen Einrichtungen oder den Supermarkt weitergegeben werden. Eine konkrete Umsetzung des im Rahmen dieses Projektes konzipierten Netzwerkes im Jahr 2004 ist ersterbenswert.

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