2004 Projektbericht: Mehrwegtransportverpackungen im Lebensmittelhandel

Archivmeldung vom 23.06.2010.
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Projektvergabe: INITIATIVE Abfallvermeidung Wien, MA 48 Projektnehmer: Österreichisches Ökologie-Institut

Verpackungen sind für eine arbeitsteilige Wirtschaftsordnung von essenzieller Bedeutung. Haben sie ihren Zweck erfüllt, werden sie im Regelfall zu Abfall. Unter dem Eindruck von knapper werdenden Ressourcen und Überlegungen zum Thema Nachhaltigkeit ist es unabdingbar über eine ökologische Gestaltung von Packmitteln und Verpackungssystemen nachzudenken. In diesem Zusammenhang ist der Einsatz von Mehrwegtransportverpackungen (MTV) für Obst und Gemüse (O&G) eine wirksame Maßnahme zur Abfallminimierung.

Verpackungsabfälle für den Transport von O&G fallen in erster Linie direkt beim Handel an, aber auch Lebensmittelproduzenten, Importeure, Transport- und Logistikunternehmen sowie die lebensmittelverarbeitende Industrie sind wichtige Akteure bei der Gestaltung einer optimierten Transportlogistik.

Ziel des Projekts war eine Stärkung von MTV-Lösungen am Wiener Markt für O&G, sowie eine Kooperation mit den Entscheidungsträgern herbeizuführen. Recherchen hiezu klärten Rahmenbedingungen und Anforderungen an MTV. Interviews mit handelnden Akteuren lokalisierten Entscheidungsträger und zeigten die praktische Ausformung von Systemen für Transportverpackungen (TV). Ökologische und ökonomische Vergleiche zwischen unterschiedlichen TV-Systemen formten ein Bild über die Auswirkungen des Einsatzes der jeweiligen TV.

Eine Reihe von gesetzlichen Regelungen, Normen, Vereinbarungen und Initiativen befassen sich u. a. mit Eigenschaften von MTV. Im Vordergrund steht dabei die Ausarbeitung von Standards für eine optimale Organisation und Kompatibilität von MTV.

2001/02 betrug die Gemüseerzeugung in der EU-15 insgesamt etwa 55 Mio. t, die Obstproduktion 57 Mio. t (DE LACROIX, 2003). In Österreich waren in der Saison 2003/04 rund 2,48 Mio. t O&G im Umlauf, davon 45 % aus Importen. Ca. 6 % (rd. 80.000 t) der in Österreich erzeugten Menge wird in Wien produziert. Rund 13 % der Gesamtmenge (= 335.000 t) werden als Verlust ausgewiesen. Pro Kopf werden rund 200 kg O&G jährlich verzehrt. Hinzu kommen 60 kg Jahrverbrauch an Kartoffeln (STATISTIK AUSTRIA, 2004).

Die Top 5 des österreichischen Lebensmittelhandels im Food-Bereich sind: BILLA, SPAR Österreichische Warenhandels AG (SPAR AG), HOFER, ADEG und ZIELPUNKT, die gemeinsam rund 80 % des Gesamtumsatzes erwirtschaften. Der Konzentrationsprozess in Österreich ist weit fortgeschritten. Der Marktanteil von BILLA und der SPAR AG beträgt in Wien geschätzte 70 % (LEBENSMITTELZEITUNG, WANDL, PROBST, ANDRÄ, 2004).

An TV werden konkrete Anforderungen gestellt. Dichtheit, Formstabilität, Stoßfestigkeit, Stapelfähigkeit, Handhabbarkeit, Kompatibilität sind nur ein kleiner Auszug aus der langen Liste. TV müssen schützen, lagern, transportieren, verkaufen und das identifizieren von Produkten sicherstellen (LANGE, 1998).

Für den O&G-Transport existieren verschiedene MTV-Systeme: Werden MTV nur zwischen zwei Partnern eingesetzt, so können Änderungen leicht in das System integriert werden. Nehmen mehrere Anwender ein System in Anspruch nimmt zwar der Koordinierungsaufwand zu, es steigen aber auch die Synergieeffekte im Logistikbereich. Wird die Organisation (Bereitstellung, Reinigung, Transporte etc.) des Systems in externe Hände gelegt, so wird von Dienstleister-Systemen gesprochen. Klappbare Systeme bieten durch die Volumsreduktion im leeren Zustand einen enormen Vorteil gegenüber starren Systemen. In eine Poollösung bringt jeder Poolteilnehmer entsprechend der Vorgaben durch den Pool-Koordinator eine Anzahl an MTV in Umlauf. Nur Pool-Teilnehmer dürfen Verpackungen des Pools verwenden.

Etablierte Anbieter für MTV für den O&G-Sektor sind STECO POOL-LOGISTICS (klappbar), IFCO System (klappbar) und der österreichische Kistenpool (starre Kiste). Die Mitglieder des Kistenpools transportierten im Jahr 2000 rd. 20 Mio. Transporteinheiten mittels Kistenpool-Kisten (BURKET, 2004). STECO betreut in Österreich rund 5 Mio. Verpackungseinheiten jährlich (LEISCH, 2004) und IFCO vermietet rund 2,5 Mio. Transporteinheiten sowohl für den Export, als auch für den innerösterreichischen Transport (SIPEK, 2004). Die Mehrwegquote für O&G-Transporte bei SPAR AG beträgt 51 % (WANDL, 2004) und bei BILLA je nach Jahreszeit zwischen 40 % und 50 % (PROPST, 2004).

Beim Vergleich von mehreren TV-Systemen sind die speziellen Randbedingungen, insbesondere Transportdistanzen, zu berücksichtigen. Basierend auf der Interpretation zahlreicher Bilanzierungen unterschiedlicher TV-Systeme ist der Lebensweg einer MTV unter optimaler Transportlogistik eindeutig als ökologisch günstiger zu werten als jener einer ETV. MTV verbrauchen weniger Energie, benötigen weniger Rohstoffe und Ressourcen, erzeugen geringere CO2-Emissionen und vermeiden Abfälle. Bei hohem Standardisierungsgrad reduzieren sich die Gesamtkosten, die Attraktivität der O&GAbteilung steigt und das Bruchrisiko beim Transport sinkt. Das Ergebnis der Literaturrecherche ist eindeutig: MTV sind ökologisch und ökonomisch die günstigere Variante für den O&G-Transport. Die Mehrheit der verfügbaren Vergleiche zwischen unterschiedlichen Transportsystemen für O&G räumt Mehrwegsystemen in beiden Bereichen bei weitem Vorteile ein.

Ein erfolgreiches Beispiel aus Schweden für einen Umstieg auf MTV zeigt das EUROCRATE-System der Svenska Retursystem: In zwei Regionen konnten seit 1999 mit einem MTV-System 12.475 t Verpackungsabfälle vermieden werden. Zeitgleich sparten Anwender der MTV bei jeder Verwendung € 0,2 (LUNDBERG, 2003).

Die Interviewergebnisse mit Stakeholdern der Branche zeigen, dass die Entscheidung, welche TV bei O&G eingesetzt werden, allein der Handel trifft. Produzenten und Zwischenhändler müssen Anforderungen des Handels akzeptieren und ihre Produkte in der vom Handel geforderten Verpackungsart anliefern.

Oft genannte Argumente für den Einsatz von ETV sind die geringen Transportkilometer und damit verbunden die geringeren Kosten und Umweltauswirkungen im Vergleich zu einem Mehrwegsystem. Die Transportlogistik in einem Handelsunternehmen macht jedoch bei näherer Betrachtung zwischen ETV und MTV keine Unterschiede.

Investitionen in qualitativ hochwertige TV-Systeme können die Kosten im Logistikbereich erhöhen, reduzieren jedoch Verluste durch Schaden an der Ware bei Lagerung und Transport. Aus der Sichtweise des Gesamtunternehmens kann sich damit ein derartiger Kapitaleinsatz durchaus rechnen.

Die Aufgabe des Österreichischen Ökologie-Instituts in diesem Projekt war es, neben der Darstellung der Vor- und Nachteile einzelner TV-Systeme, auch eine Kooperation zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft aufzubauen. Die SPAR AG schätzt die Vorteile von MTV schon seit langem und hat im Zuge des vorliegenden Projekts die MTVQuote von 44 % im Jahr 2003 auf 51 % im Jahr 2004 erhöht. Durch die Steigerung der MTV-Quote konnte die SPAR AG im letzten Jahr weitere 3.500 t ETV und damit letztendlich Abfälle vermeiden. Gleichzeitig sinken die Verluste durch beim Transport beschädigte Ware, was für die SPAR AG nicht nur weniger Ausfall, sondern auch effizientere Warenübernahme und bessere Hygiene während des Transportes bedeutet.

Kontakt Projektleiter: Christian Pladerer Österreichisches Ökologie-Institut Seidengasse 13, 1070 Wien Tel.: 01/5236105-20 www.ecology.at

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Endbericht_MTV_LMH2004.pdf Zusammenfassung_MTV_LMH_2004.pdf