Faktencheck Getränkeverpackungen

Archivmeldung vom 22.11.2016.
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Wasser aus der Leitung oder Getränke in Mehrweggebinden haben ökologisch betrachtet die Nase vorn. Schlusslichter sind Einweg-Glasflaschen und Aludosen.

Die umweltfreundlichste Art des Getränkekonsums kommt ganz klar frisch gezapft von der Leitung. Nämlich von der Wasserleitung oder vom offenen Getränkeausschank. Und bei verpackten Getränken sind Produkte aus der Region in Mehrwegflaschen die unumstrittene Nummer Eins!

Die Abfallvermeidung durch Mehrweg kann man sich bildlich vorstellen: Eine einzige Mehrwegflasche, die 40-mal wiederbefüllt wird, spart ganze 39 Einweggebinde ein – inklusive der Umweltwirkungen durch deren Produktion und Entsorgung. Dass Mehrwegflaschen auch bei vielen anderen umweltrelevanten Faktoren punkten, zeigen die Ökobilanzen.
Zu Getränkeverpackungen wurden zahlreiche Ökobilanzen erstellt – sie bewerten die Umweltauswirkungen der Verpackung über den gesamten Lebenszyklus, von der Rohstoffproduktion bis zur Entsorgung und Verwertung..  Aus all diesen Bilanzen lassen sich die folgenden Fakten ableiten.

Ist die Glasflasche immer umweltfreundlich?

Glas ist ein hochwertiger Packstoff, der sich vor allem durch die hohe Inertheit auszeichnet. Das heißt, dass im Gegensatz zu Kunststoffverpackungen keine Stoffe aus der Verpackung ins Getränk gelangen und umgekehrt. Das Getränk ist darin also gut geschützt. Meistens wird die Glasflasche auch als umweltfreundliche Verpackung wahrgenommen, aber stimmt das auch? Bei Mehrwegglasflaschen ja, bei Einwegglasflaschen aber überhaupt nicht! Denn die Produktion der Flaschen ist sehr energieintensiv, bei der Verwendung von Recyclingglas ist der Energieverbrauch etwas geringer, aber immer noch hoch. Dementsprechend hoch sind auch die Treibhausgas-Emissionen.
Dieser Energieverbrauch zahlt sich dann aus, wenn die Verpackung mehrfach verwendet wird. Das ist bei der Mehrweg-Glasflasche der Fall, diese ist ein ausgezeichnetes Beispiel für eine hochwertige und umweltfreundliche Verpackung. Einweg-Glasflaschen hingegen werden nur einmal verwendet und sind daher trotz der hohen Recyclingraten schlecht für’s Klima und für die Umwelt.

Plastik: Bombastic?

Seit rund 20 Jahren erobern die Plastikflaschen den Getränkemarkt und sind weiter auf dem Vormarsch. Große Vorteile sind sicherlich das geringe Gewicht und die Unzerbrechlichkeit. Ein Nachteil der Plastikflasche ist, dass sie weitgehend aus nicht erneuerbaren, fossilen Rohstoffen hergestellt wird. Getränke sind darin auch nicht so gut geschützt wie in der Glasflasche: Gase wie Sauerstoff und Kohlendioxid können durch den Kunststoff durchdiffundieren. Das zeigt sich auch daran, dass Getränke in der Kunststoffflasche meist deutlich kürzer haltbar sind als in der Glasflasche. Außerdem können auch Stoffe aus dem Kunststoff ins Getränk übergehen, die man dann beim Trinken in den Körper aufnimmt. Dies geschieht allerdings in sehr geringen Mengen und es gibt auch klare Grenzwerte dafür, wie viel von einem Stoff maximal ins Getränk übergehen darf. Es ist daher nicht von einer unmittelbaren gesundheitlichen Gefährdung auszugehen. Wer hier aber ganz auf Nummer sicher gehen und die Aufnahme von Stoffen aus Plastik vermeiden will, sollte eher die Glasflasche wählen. Wenn Plastikflaschen nicht ordnungsgemäß gesammelt werden, können sie in der Umwelt über lange Zeit Schaden anrichten, wie insbesondere die Untersuchungen zur Belastung der Meere mit Kunststoffpartikeln zeigen. Aus diesem Grund ist bei Kunststoffen die ordnungsgemäße Entsorgung besonders wichtig!

Einweg-Plastik nur auf Distanz gut

Trotz Verbesserungen beim Recycling kommt die Einweg PET-Flasche im regionalen Vertrieb klar nicht an die Mehrwegflaschen heran. Auch bei überregionalen Transportdistanzen ist die PET-Einwegflasche der PET-Mehrwegflasche unterlegen. Nur ab Transportdistanzen von mehreren hundert Kilometern schneidet die PET-Einwegflasche ähnlich gut wie die Glas-Mehrwegflasche ab– ein sehr hoher Recyclinganteil vorausgesetzt. Bei noch größeren Transportdistanzen im internationalen Handel stellt sich allerdings auch die Frage, ob die Produkte überhaupt noch als „ökologisch vorteilhaft“ bewertet werden können. Kann zum Beispiel ein Mineralwasser aus Südfrankreich in Österreich ein umweltfreundliches Produkt sein?

Plastik wieder befüllen wäre angesagt

Doch halt! Gibt es denn bei Plastikflaschen gar keine Mehrwegflaschen? Doch, allerdings nicht (mehr) in Österreich. In vielen anderen Ländern gibt es Kunststoff-Mehrwegflaschen, z.B. Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen. Dieses Gebinde schneidet in allen Ökobilanzen als Nummer eins ab, da es den Vorteil des geringen Gewichts mit dem Vorteil der vielfachen Wiederverwendung kombiniert. In Österreich ging die letzte PET-Mehrwegflasche leider 2009 über den Ladentisch. Es gibt zwar noch ein Mineralwasser in einer PET-Pfandflasche, diese wird aber nicht wiederbefüllt sondern recycelt und ist daher keine Mehrwegflasche.

Schachtelweise Getränke

Vor allem Milch und Säfte werden auch häufig im Getränkeverbundkarton verkauft. Dieser besteht außen aus Karton und innen aus Kunststoff. In vielen Fällen liegt dazwischen noch eine dünne Sperrschicht aus Aluminium. Der Getränkekarton kann im ökologischen Ranking ähnlich eingestuft werden wie die Einweg-PET-Flasche, in manchen Untersuchungen schneidet er etwas besser ab. Wenn Getränkekartons getrennt gesammelt werden, wird der Kartonanteil recycelt und der Rest als Brennstoff verwendet. Es gibt bereits Versuche, auch den Kunststoff- und Aluminiumanteil zu recyceln.

Aus der Dose?

Getränkedosen sind in der Produktion energieintensiv und schneiden daher in Ökobilanzen schlecht ab. Durch konsequentes Recycling kann die Bilanz etwas verbessert werden. Bei Aludosen sorgt die Rohstoffgewinnung immer wieder für Umweltprobleme: Zur Gewinnung des Ausgangsmaterials Bauxit werden häufig Regenwaldflächen gerodet und gehen für immer verloren. Bei der Produktion von Aluminium aus dem Bauxit fallen wiederum große Mengen an giftigem Rotschlamm an, der dann in Deponien gelagert wird. Durch Unfälle wie z.B. 2010 in Ungarn können große Mengen dieses Giftcocktails in die Umwelt gelangen.
Wer sich bei Plastikflaschen um die Freisetzung von Stoffen aus dem Plastik ins Getränk sorgt, wird auch mit der Dose nicht glücklich. Denn diese ist innen immer mit Kunststoff beschichtet, meist mit Epoxidharz, das auch geringe Mengen des potentiell hormonartig wirksamen Stoffes Bisphenol A enthält. Die Menge an Bisphenol A, die ins Getränk übergehen darf, ist gesetzlich beschränkt.

Fazit

Genießen Sie Ihre Getränke am besten:

  • aus regionaler Produktion
  • frisch gezapft oder aus Mehrwegflaschen

Weitere Informationen:

www.wenigermist.at/mehrweg
www.umweltberatung.at/mehrweg