Naturnah und umweltschonend Gärtnern

Ob Blumenkisterl, Balkontrog oder Dachgarten - jedes  Fleckchen Grün fördert die Artenvielfalt und Biodiversität im Asphaltdschungel und liefert einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Wer selbst auch umweltschonend und mit wenig Mist gärtnern will, findet hier die wichtigsten Tipps.

Gärntern ist in! In Wien hat der Trend zum „Urban Gardening“ Einzug gehalten und bereits die kleinste Gartenfläche steigert nachweislich das Wohlbefinden. Die Betätigung an der frischen Luft sowie die Freude am Anbau, Wachsen, Blühen und Ernten von Blumen, Kräutern und Co. wirken sich positiv auf die Gesundheit aus. Wohl auch als Reaktion auf krisengeschüttelte Zeiten regt sich daher bei vielen Stadtbewohnern das Bedürfnis, ihre Umgebung zu gestalten und selbständig gesunde Planzen anbauen zu können.

Ob Blumenkisterl, Balkontrog oder Dachgarten - jedes zusätzliche Fleckchen Grün fördert die Artenvielfalt und Biodiversität im Asphaltdschungel und liefert einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Wer selbst auch nachhaltig und umweltschonend Gärtnern will, für den sind hier die wichtigsten Tipps in Kürze zusammengefasst

Erde und Substrat

  • Ein gesunder Boden ist die wichtigste Voraussetzung für gutes Pflanzenwachstum. Zum Schutz der Umwelt sollten ausschließlich torffreie Blumen-, Gemüse- oder Kräutererde zum Einsatz kommen. Torf bildet sich in Hochmooren über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten (Wachstum: ein Millimeter pro Jahr). Der industrielle Torffabbau für die Beimischung in Gartenerden zerstört diese unwiederbringlichen Naturlandschaften, die wertvollen Lebensraum für viele gefährdete Arten darstellen
  • Alternativen sind zum Beispiel die Erde Guter Grund von der Stadt Wien (MA 48). Sie wird mit Kompost aus den Wiener Biotonnen und gänzlich ohne Torf hergestellt. Verkauft wird sie auf den Wiener Mistplätzen der Stadt Wien. Auch das Österreichische Umweltzeichen garantiert 100 % torffreie Substrate.

Auswahl der Pflanzen

  • Verzichten Sie auf exotische Züchtungen und setzen Sie lieber heimische (oder längst eingebürgerte) Zier- und Nutzpflanzen. Diese sind an unser Klima und die hier herrschenden Umweltbedingungen angepasst. Gegenüber Schädlingen und Krankheiten zeigen sie sich robuster, was nicht nur den Pflegeaufwand, sondern auch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert.
  • Biologisch produzierte Sämereien und Jungpflanzen haben nicht nur einen kleineren CO2-Rucksack auf dem Buckel (z.B. durch natürliche Düngung und Verzicht auf chemisch-synthetische Spritzmittel), sie tragen auch zur Artenvielfalt und dem Erhalt alter Kultursorten bei. Bio-Saatgut ist zusätzlich unbehandelt, rückstandsfrei und ohne Gentechnik produziert.

Düngemittel

Gerade beim Anbau von Gemüse in Trögen, Kisterln oder Dachbeeten wird man um ein wenig Nährstoffzufuhr von außen nicht umhin kommen. Organische Dünger wie beispielsweise Kompostpräparate, Kräuterextrakte, Regenwurmkot oder andere Präparate aus pflanzlichen Bestandteilen und Hornspänen sind ökologische Alternativen zu leicht löslichen synthetischen Düngemitteln. Sie hinterlassen keine gefährlichen Rückstände in den Ernteprodukten, werden nur langsam im Boden abgebaut und fördern so das Bodenleben und den Humusaufbau. Dennoch sollten auch sie immer mit Maß und Ziel eingesetzt werden. Bei Kompost reicht eine Schaufel pro m2 und Jahr.

  • Der Kompost der Stadt Wien kann in Haushaltsmengen kostenlos bei den Wiener Mistplätzen abgeholt werden. Die stetigen Optimierungsmaßnahmen und die strengen Qualitätskontrollen machen die Verwendung des Wiener Komposts sogar in der biologischen Landwirtschaft möglich.
  • Stallmist und Hornspäne sollten aus kontrolliert biologischer Tierhaltung stammen!

Pflanzenschutz

Schnecken, Läuse und andere Tierchen machen nicht nur den Pflanzen, sondern auch deren BesitzerInnen das Leben oft schwer. Auf Insektizide, Fungizide und andere Vertilgungsmittel sollte beim naturnahen Gärtnern dennoch verzichtet werden. Deren Rückstände schädigen nicht nur unsere Gesundheit, das Bodenleben und das Grundwasser, sondern auch die nützlichen Tiere, die sich von den (vergifteten) Schädlingen ernähren.

  • Die Förderung von Nützlingen ist eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln. Wenn Florfliegen, Ohrenschlüpfer, Marienkäfer, Blindschleichen, Igel und Vögel Unterschlupf gewährt wird, sind das nicht nur effektive und natürliche Feinde gegen ungeliebte Pflanzenschädlinge, sondern ebenfalls ein wertvoller Beitrag zur Artenvielfalt im städtischen Raum. Durch das Anbringen von Vogelnistkästen, Futtersystemen oder Insektenhotels kann die Artenvielfalt in einem Garten gefördert werden.
  • Eine weitere Alternative stellen mechanische Pflanzenschutzvorrichtungen dar: Schneckenzäune, Lebendfallen, Abdeckfolien, Insektengitter und solarbetriebene Ameisen- bzw. Wühltierabwehrgeräte schützen rein mechanisch und ohne schädlichen Stoffeintrag in die Umwelt.
  • Reicht ein natürlicher oder mechanischer Pflanzenschutz nicht aus, sollten ausschließlich biologische Mittel eingesetzt werden. Das sind zum Beispiel Produkte auf natürlicher, pflanzlicher Basis wie Neemöl, Fenchelöl, Pechnelkenextrakt, Präparate auf Brennnesselbasis oder Schmierseifen.

Geräte und Maschinen mit Köpfchen

  • Kaufen Sie nur Werkzeug, das Sie wirklich brauchen und vielseitig einsetzen können! Oft wird man verleitet, für jeden Handgriff ein spezielles Gerät zu kaufen. Nicht selten landen die Teile letztlich ungebraucht im Müll und haben - ohne jemals ihren Zweck zu erfüllen – Umwelt, Klima und unsere Geldbörse belastet.
  • Achten Sie auf langlebige, reparierbare Produkte, die regional oder zumindest in Europa gefertigt wurden! Ein Großteil der Werkzeuge besteht aus nicht wieder verwertbaren Materialen, ist nicht reparierbar und enthält keine Hinweise auf Herstellung oder Herkunft der verwendeten Rohstoffe. Produkte, die in der Region gefertigt werden, werden häufig in kleinen Familienbetrieben erzeugt. So wird die regionale Wirtschaft unterstützt, die Transportwege sind kurz und die Qualitätsansprüche hoch.
  • Stiele und Griffe von Geräten und Werkzeug, Beeteinfassungen, Blumentröge, Komposter bis hin zu Gartenmöbeln und Sonnenschirmen - viele im Garten gebräuchliche Dinge bestehen teilweise oder komplett aus Holz. Prinzipiell ist das zu befürworten, da Holz ein nachwachsender Rohstoff ist. Dennoch kann beim Einkauf auf Gütezeichen geachtet werden, die einerseits die Herkunft aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung (FSC, PEFC) und andererseits schadstoffgeprüfte und umweltschonende Produkte garantieren (Österreichisches Umweltzeichen, NaturPlus-Zeichen)
  • Für Rasenmäher & Co. mit Benzinmotoren stellt Alkylatbenzin eine schadstoffarme Alternative zu herkömmlichen Gerätetreibstoffen dar. Es ist ein sehr sauberes Raffinerieprodukt, nahezu frei von krebserregenden Inhaltsstoffen und erhöht die Lebensdauer der Motoren.

Weiterführende Links:

www.bewusstkaufen.at

www.umweltberatung.at